Presse


Süddeutsche Zeitung, Ausgabe Starnberg Nr. 12, Januar 2013

Festlicher Barock  –  St. Joseph-Chor brilliert unter Leiterin Helene von Rechenberg

Tutzing - Es hätte eines der unzähligen Weihnachtskonzerte werden können. Zum Glück aber hatte die seit 2009 amtierende Kirchenmusikerin in Tutzing‚ Helene von Rechenberg, für das festliche Konzert den liturgischen Abschluss der Weihnachtszeit vorgezogen. Die Kirche St. Joseph war gut gefüllt, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Konzertbesucher viel von diesem Konzept halten. Unter dem Titel "Te Deum – festlicher Barock" entwarf von Rechenberg - seit knapp einem Jahr auch Leiterin des Kirchenchores - mit großen Gesten am Pult ein beachtenswertes Programm, dass weniger auf große Wirkungen als auf zierliche Schönheit und Farbdifferenzie rung setzte.

Der 29-köpfige Kirchenchor konnte sich darin weit besser wiederfinden, ohne unschöne Kraftakte vollbringen zu müssen. Aber auch bei der Wahl der übrigen Protagonisten bewies von Rechenberg Fingerspitzengefühl. Das auf historischen Instrumenten musizierende Ensemble Les Fontaines de Versailles - am Orgelpositiv Ludwig Anton Pfell aus Andechs - zeigte sich wegen seiner Kunst der Gestaltung, vor allem aber aufgrund seiner klanglichen Farbigkeit als geradezu ideal, die Kostbarkeit barocker Kirchenmusik reich auszustatten, ohne zu protzen‚ So wurde die Vivaldis Stilistik verwandte Pastorale des Bolognesen Gaetano Maria Schiassi zu einem wahren Juwel barocker italienischer Sinnlichkeit. Die Differenzierung zwischen Soli, Solistenensemble, Chor, Basso Continuo-Begleitung, reduziertem Orchester oder dem Einsatz der vollen Besetzung trug im ganzen Programm fesselnd zum lustvollen Musikerlebnis bei. Die Volle Besetzung trägt zum lustvollen Musikerlebnis bei.

Mit diesem Concerto-Kunstgriff eröffnete den Abend Buxtehudes Kantate "Nun danket alle. Gott" (BuxWV 79) in gemächlich beschwingter Feierlichkeit. So konnte sich das wunderbar aufeinander abgestimmte Solisten-Ensemble wirkungsvoll in Szene setzen. Mechthild Kiendl (Sopran) mit Schütz' "eine Seele erhebet den Herrn" aus Symphoniae Sacrae Ii in lautmalerischer Lyrik brillierend - Camilla Lehmeier (Mezzosopran), Mechthild Seitz (Alt) - in "Schließe mein Herze" aus Bachs Weihnachtsoratorium beeindruckend dunkel, doch mit wenig Ausdruck -‚ Richard Resch (Tenor) und Peter Cismarescu (Bass) bekamen nach Bachs festlicher Kantate "Lobe den Herrn" (BWV 137) im Te Deum (H 146) von Marc-Antoine Charpentier eine Fülle an gestalterischen Möglichkeiten an die Hand.

Den vielfältigen Ensemblebildungen unter den Solisten, die stets sorgfältig die Balance austarierten, schloss sich der Chor mit Gewandtheit im Kontrastprogramm an und setzte in straffer Rhythmisierung einen glanzvollen Schluss, der mit viel Paukeneinsatz mit dem Vorspiel - als Eurovisionshymne bekannt - korrespondierte.

Nach der gelungenen Einführung des Tutzinger Orgelherbstes sind nun auch vom Tutzinger St. Joseph-Chor interessante kirchenmusikalische Impulse zu erwarten.

Reinhard Palmer

 


 

Süddeutsche Zeitung, Oktober 2012

Strahlender Schlussakkord  –  Helene von Rechenberg beschließt den Orgelsommer

Andechs - Der Sommer hat sich verabschiedet. Auch in Andechs - mit dem letzten Konzert des Orgelsommers, Und es war ein famoser Abschluss, denn Helene von Rechenberg pflegt die klare Linie und prägnante Klangbilder. Ihr interpretatorischer Duktus ist von straffer Phrasierung und transparenter Stimmführung, geprägt. Auch inhaltlich war der rote Faden ersichtlich. Felix Mendelssohn stand hier im Zentrum des Programms. Einerseits mit seiner Vorliebe für historische Kompositionen mit Werken von Bach und aus der Renaissance, die hier der Niederländer Jan Pieterzsoon Sweelinck als Einleiter des Barock vertrat. Andererseits mit seiner Wirkung auf die Nachwelt, für die der. Komponist César Franck eine den Impressionismus ankündigende Sprache sprach.

Die in Tutzing tätige Kirchenmusikerin ließ trotz der spieltechnischen Entschiedenheit keinesfalls Sensibilität vermissen. Große, dramatische Wirkungen waren gerade der Kontrastierung mit lyrischen Rüknahmen geschuldet. Wie schon in der Eröffnung mit Bachs Fantasie und Fuge in g-Moll BWV 542 stand immer wieder erdiger Schwere auch spielfreudige Leichtigkeit gegenüber. Diese deutlichen Ausprägungen setzte von Rechenberg in Mendelsohns 1. Sonate in f-Moll in vielfältige Beziehungen, gewann dadurch eine reiche Skala an Kontrastwirkungen, die sich durch die vier Sätze bis zu einem strahlenden Schluss wogend hochschaukelten. Zwischen mächtiger Basssubstanz und lyrischer Zartheit, die im Andante recit heftig aneinander gerieten, öffnete sich insgesamt eine enorme klangliche Freiheit. Bei einem so mächtigen Programm war man dankbar für Erholungspausen dazwischen. Während
Sweelincks Liedvariationen über das zauberhaft schlichte Thema "Onder een linde groen" für Mendelssohns Sonate eine gelöste Atmosphäre schuf, öffneten zwei Leipziger Bach-Choräle mit filigran-zarter Fabdifferenzierung und fast beschwingter Leichtigkeit Franck ein breites Spektrum der Gestaltung, das von Rechenberg mit viel Fingerspitzengefühl auch nutzte. Lang anhaltender Applaus und eine Zugabe.
Reinhard Palmer

 


 


Münchner Merkur, Februar 2010

Spannender als jeder „Tatort“

Tutzings Organistin helene von rechenberg brilliert bei ihrem ersten Solokonzert

Tutzing - Erst seit einem halben Jahr ist sie im Amt und doch gilt sie in Tutzing schon als Geheimtipp. Helene von Rechenberg gehört bereits zur Spitze der jungen Organisten-Generation. Von ihrer außergewöhnlichen Begabung durfte sich das Trutziger Publikum bei ihrem ersten Soloabent mit einem anspruchsvoll gestalteten Programm aus Werken französischer Meister ein Bild machen Was Helene von Rechenberg an der klangschönen Sandtner-Orgel präsentierte. war vom ersten Akkord denn auch eine kleine Sensation. Es gibt keine Anwärmphase zum Auftakt. Bereits im Kopfsatz der 6. Orgelsymphonie g-Moll von Charles-Marie Widor taucht von Rechenberg mit energischer Wucht hinein in ein Meer von wogenden romantischen Klängen. In Widors zehn Orgelsinfonien, komponiert im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, überträgt der Komponist Form und Klanglichkeit der Orchestersymphonie auf die Orgel. Durch die gewählte Registrierung erzeugt sich in den drei ausgewählten Sätzen eine erstaunliche "Räumlichkeit" für die Musik und bleibt in ihrer Vieldimensionalität doch stets transparent in der Stimmführung. Wann immer der Hörer an diesem Abend es möchte, er kann stets analytisch horchend die Struktur der Werke begleiten und erfassen. Fast wie eine "Gralsmusik" schmilzt das Adagio sehnsuchts- und weihevoll durchs Kirchenschiff. Es triumphiert und stürmt, braust und pulsiert im Finalsatz. Auf einmal ist Orgelmusik am Sonntagabend spannender als jeder "Tatort".

Die Aufmerksamkeit der Zuhörer an diesem Abend ist erstaunlich. Trotz Grippewelle kaum einmal ein Huster, die berühmte Stecknadel könnte man fallen hören. Gebannt lauscht man in der vollen Kirche auch der monumentalen "Pière héroique" von César Franck. Die Architektur der Harmonik in Louis Vierne's "Clair du Lune" schiebt sich in großen Wogen durchs Kirchenschiff, schwingt wie ein Uhrpendel hin und her. Die neun Meditationen zur Geburt des Herrn "La Nativité du Seigneur" von 1935 gelten wohl als populärster Orgelzyklus von Olivier Messiaen. Der Vogelwelt mag der begeisterte Ornithologe dabei eine Reihe von Melodien und Einfällen abgelauscht haben. in seiner letzten Betrachtung "Dieu parmi nous" (Gott unter uns), die von Rechenberg als Programmschluss wählte flirrt und flibitzt es‚ schraubt sich in lichte Höhen und verliert doch nicht das irdische, sichere Fundament. Dass neben aller beeindruckenden Virtuosität auch eine Jazzerseele in ihrem Herzen wohnt‚ wird ohrenscheinlich. Das Beruf und Berufung so hörbar eng beieinander liegen können, macht dem Zuhörer Freude an diesem Abend. Das reich beschenkte Publikum erklatscht sich noch eine Zugabe. Zart und beseelt rundet von Rechenberg mit dem "Priere a notre dame" aus der "Suite gothique" von Leon Boëllmann den Hörgenuss ab. Bereits jetzt kann man auf weitere anspruchsvolle Orgelmusik beim geplanten "Tutzinger Orgelherbst" von Helene von Rechenberg gespannt sein.

Dorothee Fleege

 


 


Badische Zeitung Freiburg, Juli 2008

Und alles ward gut

Freiburg: Münsterorgelkonzert mit Helene von Rechenberg

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über Genuss ebenfalls. Wie dem auch sei: Max Reger, der wichtigste deutsche Orgelkomponist nach Bach, hatte selbstkritisch erkannt, dass es schwer sein würde, seinen der Orgel zugedachten Sonatenerstling, so wörtlich, "genießbar" zu machen. Es gehöre "schon ein sehr geistreicher Organist dazu", schrieb er im Januar 1900 an Josef Rheinberger, der damals in München der Marktführer in Sachen Orgelsonate war. Man tritt Reger wohl nicht zu nahe, wenn man behauptet, dass seine beiden eigenen Orgelsonaten letztlich nichts anderes als eine Reaktion auf Rheinberger sind – Beiträge zu einer Gattung, an der er nach dem Tod des älteren Kollegen denn auch auffallend schnell das Interesse verlor.

Wir reden hier von Regers fis-Moll-Sonate op. 33, jenem heute selten zu hörenden Werk des seinerzeit 26-Jährigen, das von Karl Straube im Juni 1899 in Essen uraufgeführt worden war. Helene von Rechenberg hatte den Dreisätzer jetzt ans Ende ihres Gastspiels im Freiburger Münster gestellt. Rasch zeigte sich, dass die aus Regers einstiger Kampfmetropole München stammende Schnorr-Schülern dem vom Komponisten umrissenen Anforderungsprofil – siehe oben! – nachgerade ideal entspricht. Die Wiedergabe: klar (soweit die Partitur das zulässt), adäquate Farben vom Säuseln bis zur Opulenz, starker Ausdruck, Vertrautheit mit der Orgelästhetik der deutschen Spätromantik. Vor allem: junger, wilder Reger mit Biss, mit Saft und Kraft. Und sehr genießbar. So muss es sein. Kompliment!

Einladende Festlichkeit bei Johann Sebastian Bach

Viel versprechend war schon das Vorprogramm. Wie unerschrocken sie zu Werke geht, unterstrich Helene von Rechenberg am Hauptspieltisch bereits mit Flor Peters' Toccata, Fuge und Hymnus übers marianische "Ave maris stella", diesem in den 1930er Jahren entstandenen französisch (Motorik!) eingefärbten Werk des Belgiers, der manchem primär durch seine dreibändige Orgelschule ein Begriff ist. Man spürte: Diese temperamentvolle Interpretin will spielen, sich mitteilen – die Pause zwischen Peters und Reger war derart knapp bemessen, dass man selbige kaum wahrnahm.

Nicht von schlechten Eltern auch das Barockkapitel an der Schwalbennestorgel. Etwa der Blick auf die norddeutsche Orgelkunst eines Vincent Lübeck (g-Moll-Präludium) mit dem zupackend realisierten Stylus phantasticus. Oder der Ausflug zum frühen, für uns immer noch ein wenig exotischen iberischen Orgelschaffen mit einem "Tiento" von Francisco Correa de Arauxo, wo Ruhe und Bewegung unter einen Hut zu bringen sind. Einladende Festlichkeit indes dort, wo wir uns daheim fühlen: bei Bachs F-Dur-Opus BWV 540. Frisch angegangen, apart in der Registrierung und mit Manualwechsel die Toccata. Ganz in einheitlichem Organo-pleno-Festglanz dagegen die spannungsgeladen präsentierte Doppelfuge. Und alles ward gut.

Johannes Adam

 


 

Süddeutsche Zeitung, Januar 2008

Musikalisch, sinnlich, päpstlich

Alle Bereiche des menschlichen Seins könne sie "zum Klingen bringen", sagt Papst Benedikt. Zu Recht werde die Orgel als Königin der Instrumente bezeichnet. Je öfter man diese Ehrbezeichnung hört, desto weniger mag man daran glauben. Und was ist das für eine Auszeichnung, Königin der Instrumente zu
sein? WiIl man als etwas zu stark parfümierter Anachronismus auf die Menschheit wirken, soll man mit dem Schwellwerk huldvoll ins Publikum wedeln?
Es gereichte dem inzwischen wieder fast ausschließlich in der Kirche beheimateten Instrument mehr zur Ehre. Würde man es weniger loben und öfter mal anhören. Denn wie man aus solch einer gigantischen Pfeifenklangmaschinerie einen wie natürlich fließenden Tonstrom hervorbringt, das verlangt großes handwerkliches Können und einen aufrichtigen musikalischen Geist.

Auf der vorliegenden CD, eingespielt auf der Regensburger Papst-Benedikt-Orge1, beweisen diesen die Münchner Organistin und Schnorr-Schülerin Helene von Rechenberg mit Werken von Buxtehude, dem hierzulande leider unbekannten, großartigen Nicolas de Grigny, Josef Gabriel Rheinberger und Frank Martin sowie der Haselböck-Schüler Robert Kovacs mit Werken von Johann Sebastian Bach, Rheinberger und Sigfried Karg-Etert.

Die eigentliche Entdeckung ist Grigny, der 13 Jahre älter als Bach war und von diesem hoch geschätzt wurde. Er formuliert eine sehr französische Barockästhetik, die über die vollendete Form hinaus eine ansprechende Oberfläche, ein sinnliches Kommunikationsfeld schafft. Helene von Rechenberg jedenfalls kreiert ein solches, und zwar ganz spielerisch und umsichtig, sodass man großes Können dahinter vermuten darf und naturgewachsene Musikalität. Für viele dürfte auch Rheinbergers F-Dur-sonate eine Entdeckung sein, die zudem den hervorragenden technischen Zustand der aufwändig restaurierten Rokoko-Orgel von Andreas Weiß verdeutlicht. Allein der Prospekt ist beeindruckend, und nun also auch das Werk. Die Krönung der Königin in dieser Kirche des Kollegiatstifts Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle in Regensburg vollzog sich quasi mit der Weihe durch den Papst persönlich. Wäre nicht nötig gewesen, sollte man meinen, war es, wie man nachlesen kann, zur Geldbeschaffung dann aber doch. Bevor
die Pfeifen pfeifen, muss es erst im Klingelbeutel klingeln.
Helmut Maure